Twitter
Facebook

Abschlusserklärung des Kinderturn-Kongresses

Der 2. Kinderturn-Kongress 2010 war eine eindrucksvolle Bestätigung der Thesen, die der Schwäbische Turnerbund und die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg seit vielen Jahren verkündigt: Kinderturnen ist die Zukunft! Und der Kongress ist ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung, dass die tägliche Bewegungszeit notwendig ist und verankert werden muss.

Die Basis hat diese These längst verinnerlicht. Etwa 820 Teilnehmer haben sich beim Kinderturn-Kongress weitergebildet. Im Kinderturnen sind viele engagierte, motivierte, begeisterte und wissbegierige Übungsleiter und Trainer tätig, die sich viele neue Anregungen für ihre künftigen Übungsstunden mitgenommen haben.

Ebenso sind viele Oberbürgermeister und Bürgermeister bereits für dieses Thema sensibilisiert. Beim Forum „Gesund aufwachsen“ haben sie darüber diskutiert, wie sich durch die Vernetzung der verschiedenen Einrichtungen Kindergarten und Schule sowie Turn- und Sportvereinen die Situation vor Ort verbessern lässt. Wichtig ist die Erkenntnis: Kinderturnen muss einen anderen, einen besseren Stellenwert erhalten. Denn Kinderturnen ist wichtig, Kinderturnen ist die Basis – für Bildung, für Gesundheit und auch für andere Sportarten.

Diese Erkenntnis nehmen die Übungsleiter und Trainer mit nach Hause, sie werden versuchen diese Erkenntnisse vor Ort in den Vereinen umzusetzen. Dazu aber brauchen sie Unterstützung. Unterstützung von verschiedenen Seiten.

Zum einen ist eine Unterstützung von der Landespolitik erforderlich. Die Anforderungen steigen permanent, die Belastungen für die Vereine auch. Schließlich hat auch die Landesregierung die Bildung und die Qualifikation als Schwerpunkt ihrer Politik ausgerufen. Deshalb ist eine Planungssicherheit bei den Finanzen wichtig. Deshalb muss der Solidarpakt II so schnell wie möglich fixiert werden. Dies steigert auch die Motivation der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Vereinen.

Auch die Städte und Gemeinden müssen die Vereine vor Ort unterstützen. Die Kinderturnstiftung tut dies über die Initiative „Bewegte Kommune“ mit verschiedenen Maßnahmen wie zum Beispiel Stundenbild-Editor oder Qualitäts-Wirksamkeitsanalyse. Damit gibt sie den Vereinen und Gemeinden Hilfestellungen, um eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung und erfolgreiche Bildungsprozesse bei Kindern zu ermöglichen.

Leitlinien der Unterstützung sind:

  • Bildung braucht Bewegung und Bewegung braucht Rahmenbedingungen. Jede Stadt und gemeinde in Baden-Württemberg hat die Verpflichtung, attraktive Lern- und Bewegungsräume zu schaffen, die Kinder anregen, sich viel und vielfältig zu bewegen. Denn Kinder sind unsere Zukunft. Dort dürfen wir nicht sparen!
  • Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen einer Stadt oder Gemeinde die Vor-Ort-Kräfte bündeln und das vorhandene Know-how nutzen.
  • Oberbürgermeister und Bürgermeister sollten das Thema Bildung und Bewegung zur Chefsache erklären und kommunale Entwicklungsprozesse (inklusive der Bereitstellung optimaler Lern- und Bewegungsräume) federführend auf den Weg bringen.
  • Vor-Ort-Verantwortliche aus Schule und Kindergarten sowie Turn- und Sportverein benötigen diese Impulse für erfolgreichere Bildungsprozesse.

Neben hoch qualifizierten Übungsleitern und Trainern müssen auch Erzieher und Lehrer gut ausgebildet und regelmäßig weitergebildet werden, um eine gleich bleibend hohe Qualität für die gesunde Persönlichkeitsentwicklung und erfolgreiche Bildungsprozesse bei den Kindern zu ermöglichen. Und die verantwortlichen Träger müssen sich dieser Aufgaben annehmen.

Die Experten beim Kinderturn-Kongress haben bestätigt, was grundsätzlich gilt:

  • Kinder brauchen Zeit und Räume zum Herumtoben. Bewegung regt das Neutronenwachstum an und führt zu einer verbesserten zentralnervösen Leistungsfähigkeit.
  • Kinder brauchen das gezielte Training grob- und feinmotorischer Fähigkeiten, um „Herr über ihre Motorik“ zu werden!
  • Kinder können sich in Bewegungsangeboten, die ihrem individuellen Leistungsniveau angepasst sind, als erfolgreich erleben. Wenn das Kind oft erlebt „ich kann“, wird es häufiger bereit sein für neue Anstrengungen und weitere Leistungen. Üben schafft vor allem dann nachhaltige Lernerfolge, wenn Lernprozesse positiv erlebt werden!
  • Individuelle Lernprozesse sollen durch Spiele in der Gruppe begleitet werden. Diese Spiele sollten dabei kooperativen und nicht konkurrierenden Charakter haben!
  • Leistung und Erfolg definieren sich bei jedem Kind anders. Deshalb brauchen die Lehrkräfte aus Kindergärten und Schulen sowie Turn- und Sportvereinen mehr diagnostische Kompetenzen, um eine gezielte Förderung der Kinder sichern zu können!
  • Kindergärten, Schulen und Turn- und Sportvereine sollen verstärkt Kooperationen eingehen, in denen eine vielseitige, tägliche Grundlagenausbildung mit hoher inhaltlicher und pädagogischer Qualität – im modernen Kinderturnen Voraussetzung – gesichert wird.

Und die Lehrkräfte benötigen vor allem die Unterstützung der Eltern, um die Kinder auf eine erfolgreiche Lebensgestaltung vorzubereiten.

Für Eltern gilt:

Eltern sollten ihre Kinder häufiger toben lassen! Eltern können ihre Kinder stärken, indem sie sie bei alltäglichen Tätigkeiten aktiv einbinden.Eltern sollten Wert darauf legen, dass ihre Kinder darüber hinaus gezielte Bewegungsprogramme machen, um die motorischen Fähigkeiten zu stärken! Eltern sollten darauf achten, dass diese Bewegungsprogramme vielseitig und qualitativ hochwertig sind!Kinder sollten nicht unter Angst und Druck lernen. Eltern wird empfohlen, den Bildschirm-Konsum zugunsten verstärkter Bewegungsförderung deutlich zu reduzieren. Kinder müssen fühlen, tasten und tun, um nachhaltig zu lernen!

Die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg versucht mit Nachdruck, diese bereits im Juni 2009 in der „Biberacher Erklärung“ formulierten und immer noch gültigen Forderungen umzusetzen bzw. die Umsetzung voranzutreiben. Denn das Wissen um die Folgen der Bewegungsarmut der Kinder setzt uns alle unter Zeitdruck!