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Die Resonanz ist riesig. 774 Trainer, Übungsleiter und Vereinsfunktionäre nutzen den 2. Kinderturn-Kongress in Stuttgart um sich im wichtigen Themenbereich "Kinder brauchen mehr Bewegung" weiterzubilden.
Rainer Brechtken redete nicht lange um den heißen Brei herum. Der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes (STB) sagte bei der Eröffnung des 2. Kinderturn-Kongresses in Stuttgart: „Wir müssen ein Bewusstsein schaffen, dass Bewegung für Kinder wichtig ist." Dabei denkt er vor allem an qualitativ hochwertige Bewegung. Denn die Zahlen sind erschreckend. „Die Leistungsfähigkeit der Kinder hat sich in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent verringert", sagt Professor Klaus Bös, der Leiter des Sportinstituts der Universität Karlsruhe. Diese Zahlen hat der Wissenschaftler in mehreren Untersuchungen in Schulen ermittelt. Ist ein Kind vor zehn Jahren in sechs Minuten knapp über 1000 Meter gelaufen, schafft es jetzt nur noch etwa 900 Meter. Die Ursache sei eindeutig weniger Bewegung. Und nicht angepasste Ernährung. „Die Kinder nehmen nicht mehr Kalorien zu sich als früher, aber sie bewegen sich eben weniger." Das geht auf die Hüften.
Einerseits sei weniger Bewegung in jungen Jahren ein gesellschaftliches Problem. Susanne Eisenmann, Schul- und Sportbürgermeisterin in Stuttgart, verwies in ihrem Grußwort auf die größten Verkehrsprobleme der Stadt. „Die Straßen vor den Schulen können nicht breit genug für die vielen Eltern sein, die ihre Kinder morgens zur Schule fahren."
Andererseits hätten viele Institutionen gemerkt, dass gegen den Mangel an Bewegung etwas getan werden muss. Deshalb haben sich anlässlich des Kinderturn-Kongresses auch zahlreiche Oberbürgermeister und Bürgermeister getroffen, um unter dem Motto „Gesund aufwachsen", einer Initiative des Sozialministeriums und des Landesgesundheitsamtes, ein Netzwerk zu bilden. Die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg ist dabei der Kompetenzpartner für den Bereich Bewegung. „Es gibt 1111 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg", sagte Senator Thomas Renner, der Vorstand der Kinderturnstiftung, „in diesen Kommunen beziehungsweise bei deren Kindern wollen wir die Bewegung im Alltag fest verankern."
Wichtig ist aber auch die Qualität der Bewegung. Damit sich die Heranwachsenden zu richtigen Persönlichkeiten entwickeln können, führte Professorin Ulrike Unger-Rörich vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Bayreuth in ihrem Vortrag am Samstag aus, müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. „Machen Sie ein Angebot nicht für dünne oder dicke Kinder", forderte Unger-Rörich die Trainer, Übungsleiter und Erzieher auf, „machen sie ein Angebot für alle Kinder." Man müsse den Kindern, auch den weniger talentierten, vermitteln, dass sie es könnten. Deshalb stehe Spaß an vorderster Stelle. Denn nur wer sich gerne ans Sporttreiben in seiner Kindheit erinnert, bewegt sich auch als Erwachsener regelmäßig mit Freude und aus Überzeugung.
Doch es bleibt bei der dreitägigen Veranstaltung nicht nur bei großen Worten und hehren Zielen. Die 774 Teilnehmer haben sich auch in praktischen Übungsstunden Anregungen für ihre Arbeit in den Vereinen geholt. 92 Referenten haben in 135 Workshops referiert.