KIT untersucht Bewegung von Kindern während Corona-Lockdown

Dass der Corona-Lockdown die Probleme des Bewegungsmangels der Kinder im Land verschärfen würde, befürchtete neben der breiten Öffentlichkeit auch Alexander Woll, Leiter des Karlsruher Instituts für Sport und Sportwissenschaft (KIT) und Kuratoriumsmitglied der Stiftung. Mit seinem Team fragte er deshalb 1711 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 17 Jahren danach, womit sie sich in dieser Zeit beschäftigt haben. Das Ergebnis ist überraschend. Denn Bildschirm- und Bewegungszeiten stehen nicht wie oftmals angenommen im Widerspruch zueinander. Im Lockdown haben die Kinder und Jugendlichen einerseits mehr Zeit vor dem Fernseher, dem Computer und mit dem Handy verbracht und weniger organisierten Sport betrieben – sich insgesamt aber mehr bewegt als in ihrem regulären Alltag.

“Damit hätte ich nicht gerechnet”, sagt Studienleiter Woll im Interview mit dem “Spiegel”, “aber es verdeutlicht: Haben Kinder entsprechende Freiräume, kommen sie ihrem natürlichen Bewegungsdrang von sich aus nach.” Prof. Dr. Woll zieht aus den neuen Erkenntnissen wichtige Schlüsse: “Insbesondere in Großstädten muss es stets genügend Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche geben. Sie sind ein wichtiger Raum für jene, die kein Zuhause mit Garten haben.” In der Kindheit werden die Grundsteine für koordinative und konditionelle Fähigkeiten gelegt. Englisch lernen kann man noch mit Mitte vierzig –Defizite in diesen körperlichen Bereichen kann man als Erwachsener nur noch schwer ausgleichen.

Eltern und Bildungsinstitutionen in der Pflicht

Damit sich jedes Kind genug bewegt, nimmt Woll neben den Eltern vor allem die Bildungsinstitutionen in die Pflicht: “In den Schulen erreichen wir alle, unabhängig vom sozialen Status und dem freiwilligen Engagement der Eltern.” Doch bis auf wenige Ausnahmen werde dort noch nicht ausreichend viel getan, um den Schülern den “Eigenwert von Bewegung” zu vermitteln – so wie es die Bildungsaufträge der Kultusministerien vorschreiben. In der Regel sind an Schulen zwei bis drei Wochenstunden Sportunterricht à 45 Minuten vorgesehen. Der Weg zur Turnhalle und das Umziehen kosten Zeit, am Ende bleibt oft nicht viel übrig für den Sport selbst. »Und jetzt in der Corona-Zeit wird an vielen Schulen in den nächsten Monaten überhaupt kein regulärer Sportunterricht stattfinden«, fürchtet Woll.

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Quelle: DER SPIEGEL