Corona-Halbzeit beim Förderprogramm „Kinderturnen in der Kita“

Kinderturnen in der Kita, das bedeutet eigentlich Bewegungsspiele und -parcours mit der gesamten Kita-Gruppe, Bewegungsspaß in der örtlichen Turnhalle oder kreative Bewegungslandschaften in den Kita-eigenen Bewegungsräumen, gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften vor Ort und angeleitet von Sportfachkräften der örtlichen Turn- und Sportvereine. Die Corona-Pandemie stellt aber auch hier alle Beteiligten vor große Herausforderungen, trotz engagierter Tandems aus Übungsleitern*innen und pädagogischen Fachkräften. Wir freuen uns, dass 26 Tandems diese Herausforderung im September 2020 dennoch angenommen haben und Teil unserer Fördermaßnahme „Kinderturnen in der Kita“ wurden. Ein halbes Jahr später sprachen wir mit einigen teilnehmenden Tandems über ihre Erfahrungen mit Kinderturnen in der Kita in Zeiten von Corona.

Leider vielerorts wie hier in Schmiden dasselbe Bild: Bewegungslandschaften warten auf die Kinder.
Leider vielerorts wie hier in Schmiden dasselbe Bild: Bewegungslandschaften warten auf die Kinder.

Vielseitige Bewegungsangebote schaffen
„Wir möchten den Kindern den gemeinsamen Spaß an der Bewegung bewusst machen und den Umgang miteinander fördern“. So beschrieb das teilnehmende Tandem aus Botnang zu Beginn des Kita-Jahres das Ziel seiner Teilnahme am Förderprogramm. Für das Tandem aus Waldenbuch war die Kooperation zwischen Kita und Verein neu und spannend: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit in der Bewegungsförderung und möchten unseren Kindern dadurch vielseitige Bewegungsangebote ermöglichen“.
Eine qualifizierte Anleitung in der Bewegungsförderung, begeisterte Kinder, die Freude an der Bewegung erleben, pädagogische Fachkräfte, die von den Sportfachkräften Impulse erhalten – das macht das Förderprogramm „Kinderturnen in der Kita“ der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg seit 2015 aus. Zumindest dann, wenn es keine Corona-Pandemie gibt. „Wir haben uns sehr gefreut, dass im Kita-Jahr 2020/2021 immerhin 26 Tandems aus Kita und Verein versuchen, Kinderturnen in der Kita erlebbar zu machen. Leider machen es die Corona-bedingten
Beschränkungen den Tandems nicht leicht“, beschreibt Isabelle Lamsfuss,
Projektassistentin der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg die aktuelle Situation.

Mit „Kinderturnen in der Kita“ sensibilisiert die Stiftung für die Bedeutung von Bewegung im Kindesalter, trägt das Kinderturnen in die Öffentlichkeit und setzt Impulse, langfristige Kinderturnangebote und tägliche Bewegungszeit im Kita-Alltag zu etablieren. Dabei werden Kinderturnangebote in einer Zusammenarbeit zwischen einem Turn- & Sportverein und einer Kindertageseinrichtung (Kita) in Baden-Württemberg, die regelmäßig und zuverlässig angeboten werden, unterstützt.

Nur wenige Bewegungsstunden kommen zustande
Mit viel Engagement war man vor Ort dabei. „Leider konnte bisher keine Kursstunde wie geplant stattfinden. Wir waren kurz davor die Bewegungsstunde Outdoor zu gestalten, das wurde uns dann aber kurz vorher seitens der Stadt nicht erlaubt“ beschreibt René Biler von der SG Schorndorf die Herausforderungen. „Wir haben schnell TVs gekauft, einzelne Sportstunden aufgezeichnet und dann die Geräte von Kita zu Kita gefahren. Aber im harten Lockdown ging auch das nicht mehr und als Verein trifft uns die ganze Situation natürlich auch selbst sehr schwer.“
In Leinfelden konnte das Tandem drei Bewegungsstunden in verkleinerten Gruppen im Bewegungsraum der Kita mit den Kindern realisieren. „Wir hoffen sehr, dass es bald weitergehen kann. Aber zuallererst müssen die Kinder wieder ins Gruppengefüge finden, das kennen sie ja fast schon gar nicht mehr“, so die Verantwortlichen.

Zumindest einige Kooperationen konnten mit Kinderturnen in der Kita starten - so in Engen, wo die Kinder im Rahmen des Förderprogramms auch Teil der Turnbeutelbande wurden und den Motorik-Test für Kinder der Stiftung durchführten.
Zumindest einige Kooperationen konnten mit Kinderturnen in der Kita starten – so in Engen, wo die Kinder im Rahmen des Förderprogramms auch Teil der Turnbeutelbande wurden und den Motorik-Test für Kinder der Stiftung durchführten.

Bewegungsanregungen für Zuhause
In Remseck verlief der Start der Kooperation im September 2020 erst einmal reibungslos. Bis Mitte Dezember konnten Bewegungsstunden umgesetzt werden, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln. „Dies gelingt mal leichter mal schwerer“, so Daniela Fuchs, Übungsleiterin der Vereine Remseck e.V.. So wurden die Bewegungsstunden zum Beispiel bewusst ohne Einsatz von Material geplant. Während des harten Lockdowns von Januar bis März, konnten aber auch in Remseck keine Bewegungsstunden mehr stattfinden. „Aktuell befinden wir uns in der Phase der Wiederaufnahme des „Sports“ und sind im Gespräch mit dem Träger, um die Möglichkeiten und Bedingungen abzuwägen“, erklärt die Übungsleiterin. Die Planung sieht vor, die Bewegungsstunden ins Freie zu verlegen, um zum einen mehr Raum zu gewinnen und dadurch Abstands- und Hygieneregeln leichter einhalten zu können und zum anderen, um Schwerpunkte setzen zu können, die dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht werden.
„Corona trifft uns alle sehr stark, besonders aber unsere Kinder. Deshalb ist es sehr traurig, dass einige unserer Projekte wie Kinderturnen in der Kita in diesem Jahr so ausgebremst werden. Wir hoffen alle, dass sich die Situation bald normalisiert und bis dahin versuchen wir, mit unseren weiteren Projekten wie unserer kostenfreien Kitu-App oder den erarbeiteten Bewegungspäckchen so viele Bewegungsanregungen wie möglich zu geben“, Susanne Weimann, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. Denn Bewegung fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die soziale, psychische und kognitive Entwicklung eines Kindes und ist damit elementar für ein gesundes Heranwachsen.

Wunsch nach Normalität
„Für die Kinder wünschen wir uns natürlich, dass der Sport baldmöglichst wieder stattfinden darf. Ich selbst habe zwei Kinder und spüre und erlebe jeden Tag, wie sehr ihnen die Bewegung und das gemeinsame Toben und Sein mit anderen Kindern fehlen. Mit Bewegung sind wir alle einfach viel ausgelassener, aufnahmefähiger und am Ende zufriedener – auch mit uns selbst…“ fasst René Biler zusammen.
Auch Daniela Fuchs wünscht sich wieder regelmäßige Sportstunden in den Kitas ohne weitere Unterbrechungen. „Vor allem aber wünsche ich mir, dass der Alltag zurückkommt und wir den Wunsch der Kinder nach Körperkontakt und einer Umarmung wieder erfüllen können“. Damit spricht sie vielen aus dem Herzen.

Im Mai 2021 können sich interessierte Tandems aus Kita und Turn- und Sportverein hier für eine Förderung im Kita-Jahr 2021/2022 bewerben!