„Gute Bildung braucht Bewegung“: Turnbeutelbande in Michelfeld trotzt Corona

Bildunterschrift: Bürgermeister Wolfgang Binnig (links hinten kniend) schaut beim Motorik-Test, den die Kinder der Grundschule Michelfeld absolvierten, genau zu….

Wichtiger denn Je, so schätzt Wolfgang Binnig, Bürgermeister der Gemeinde Michelfeld, die Bedeutung von Bewegungsförderung in Zeiten von Corona ein. „Die fehlenden sozialen Kontakte belasten und fordern uns alle in einer bisher ungeahnten Weise. Für Kinder und Jugendliche sind die Einschränkungen im Alltag besonders bedrückend. Umso mehr braucht es die stabilisierende Wirkung von Bewegung für Körper, Geist und Seele, ob bei Klein oder Groß, für Jung oder Alt“, so der Bürgermeister, der aufgrund seines großen Engagements in der Bewegungsförderung auch Kuratoriumsmitglied der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg ist. Michelfeld war unter anderem von Beginn an Teil der Kampagne „Bewegte Kommune – Kinder“ der Stiftung und führte 2020 bereits zum zehnten Mal den Motorik-Test für Kinder im Rahmen der Initiative „Turnbeutelbande“ an der Grundschule und den Kitas der Gemeinde durch. Denn „Gute Bildung braucht Bewegung“ ist Wolfgang Binnig überzeugt.

 


Gesunde Entwicklung durch Bewegung

„Wir sehen mit großer Freude, dass es Kommunen wie Michelfeld gibt, die sich der Bedeutung von Bewegung für die gesunde Entwicklung von Kindern bewusst sind und auch in Zeiten von Corona alles dafür tun, dass bewegungsfördernde Maßnahmen – natürlich unter den gegebenen Vorgaben – stattfinden können“, betont Susanne Weimann, geschäftsführender Vorstand der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg. „Zu erleben, wieviel Spaß Bewegung macht und wie gut sie tut, das ist vielleicht gerade jetzt in Zeiten von Corona wichtiger denn je. Für die Kleinen, aber auch für uns Großen!“ Getreu dem Motto der Stiftung „Weil Bewegung mehr ist…“.

Wir sprachen mit dem Bürgermeister über das Engagement seiner Kommune in der Bewegungsförderung, über die Bedeutung von Bewegung und bewegungsfördernde Maßnahmen auch und vielleicht gerade in Zeiten von Corona und über seine Erfahrungen mit dem Motorik-Test für Kinder.

Lieber Herr Binnig, Sie waren unter anderem von Beginn an Teil der Kampagne „Bewegte Kommune – Kinder“ der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg. Außerdem sind sie Teil der Initiative „Turnbeutelbande – Motorik-Test für Kinder“ der Stiftung. In Ihrer Kommune scheint Bewegungsförderung von Klein auf eine hohe Priorität einzunehmen. Wieso setzen Sie sich als Bürgermeister derart für bewegungsfördernde Rahmenbedingungen ein?
Wolfgang Binnig: Wir alle wissen um die hohe Bedeutung von ausreichend Bewegung für Gesundheit und Wohlbefinden. Gerade für unsere Kinder ist Bewegung eminent wichtig für eine gute Entwicklung. Bewegung fördert die kognitiven Fähigkeiten und die Motorik, sie wirkt positiv auf soziale Stabilität, steigert Motivation und Selbstvertrauen. Obwohl wir das wissen, nimmt die Zeit, in der sich Kinder im Alltag bewegen in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr ab. Dieser negativen Entwicklung setzen wir etwas entgegen. Mit gezielter Bewegungsförderung im Alltag unserer Kindertagesstätten und an der Grundschule. Das Ganze nachhaltig angelegt. Durchgängig praktiziert vom Kindergarten über die Schulzeit bis in unsere Sportvereine hinein; verbindlich verankert im pädagogischen Konzept der Kitas und im Curriculum der Schule. Unsere Kinder haben damit nicht nur ausreichend Bewegung im Kita- und Schulalttag. Sie erhalten über diese Zeit auch eine motorische Grundlagenausbildung.

Wie sehen Sie grundsätzlich das Thema „Bewegungsförderung“ in Zeiten von Corona?
Wichtiger denn je. Die fehlenden sozialen Kontakte belasten und fordern uns alle in einer bisher ungeahnten Weise. Für Kinder und Jugendliche sind die Einschränkungen im Alltag besonders bedrückend. Bisher tragende Strukturen in unserem Leben wie z. B. der Sport im Verein müssen notgedrungen anderweitig ersetzt werden. Umso mehr braucht es die stabilisierende Wirkung von Bewegung für Körper, Geist und Seele, ob bei Klein oder Groß, für Jung oder Alt. Bewegung eignet sich hervorragend dazu, uns aus dem einen oder anderen Stimmungstief herauszuführen.

Auch deshalb wurden die Kita- und Grundschulkinder Ihrer Kommune auch im „Corona-Jahr 2020“ wieder Teil der Turnbeutelbande bzw. prüften, wie sich ihre motorischen Fähigkeiten im Vergleich zum Vorjahr verändert haben. Der Motorik-Test für Kinder konnte also trotz Corona durchgeführt werden?
Selbstverständlich und natürlich in dem Rahmen, wie auch der Kita- und Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen stattgefunden hat. Es ist uns aber ganz wichtig, dass wir in allen Bereichen der Entwicklungsunterstützung und Bildungsförderung für unsere Kinder so wenig wie möglich ausfallen lassen oder auf später verschieben. Hier gilt es nämlich ganz besonders, nichts zu versäumen.

2020 führten Sie bereits zum zehnten Mal den Motorik-Test für Kinder durch. Welchen Nutzen ziehen Sie aus der Initiative „Turnbeutelbande“?
Mit den seit 2011 durchgeführten Testungen kann die körperlich-motorische Leistungsfähigkeit der Kinder wissenschaftlich basiert ermittelt und ausgewertet werden. Die Testergebnisse und Analysen liefern uns fundierte Informationen zur jeweiligen motorischen Leistungsfähigkeit der Kinder. Dies ermöglicht den Pädagogen, die Kinder in ihrer Entwicklung sowie den individuellen Fähigkeiten adäquat und gezielt zu fördern.

Wie nutzen Sie die Vergleichswerte, die Sie bzw. Ihre Sportfachkräfte vor Ort durch die Vergleichsmessungen erhalten?
Im zehnten Jahr in Folge durchlaufen alle Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren bei uns den Motorik-Test. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung von alltagsintegrierter Bewegungsförderung in unseren Kitas und der Schule. Sie dienen darüber hinaus dazu, bestehende Aktivitäten passgenau weiterzuentwickeln und ggf. neue Impulse zu geben.

Welchen abschließenden Tipp haben Sie für andere Bürgermeister mit Blick auf die Bewegungsförderung der Jüngsten?
Gute Bildung braucht Bewegung. Davon sind wir überzeugt und das wird bei uns im kommunalen Umfeld gelebt. Wichtig ist es, diesem Ziel die entsprechende Priorität in den Bildungskonzepten der Kindertagesstätten und Schulen zu geben. Das Anliegen von Bewegungsförderung für Kinder unter ein gemeinsames Dach stellen, kann ein erster Schritt in der Bewusstseinsbildung sein. Dem folgen nach unserer Erfahrung weitere aus dem gesamten gesellschaftlichen Leben. Aus dieser Dynamik können dann auf breiter Basis nachhaltig tragfähige Strukturen etabliert werden.