Die Turnbeutelbande lässt sich durch Corona nicht ausbremsen!

Tanja Gerstlauer ist Sport- und Klassenlehrerin an der Grundschule Achberg und weiß, wie wichtig Bewegung für „ihre“ Kinder ist. Deshalb machte die Schule am bundesweiten Aktionstag „Jugend trainiert – gemeinsam bewegen“ Ende September mit und absolvierte den Motorik-Test für Kinder im Rahmen unserer Initiative “Turnbeutelbande”. Wir sprachen mit der Sportpädagogin über die Bedeutung von Bewegung für Kinder, auch und vielleicht gerade in Zeiten von Corona.


Liebe Frau Gerstlauer, warum ist es wichtig, dass sich Kinder auch in Zeiten von Corona ausreichend bewegen?
Aktuell fallen viele Bewegungsanlässe weg. Der Sportunterricht und die Sportvereine können nicht oder nur eingeschränkt ihre Kurse anbieten. Im Lockdown hatten viele Kinder in kleinen Wohnungen und ohne Garten kaum Möglichkeiten, sich ausreichend zu bewegen. Die Alternativbeschäftigungen waren oftmals Computer, Konsolen und Apps. Diese Gewohnheiten haben sich viele Kinder angeeignet, auch auf dem Dorf. Dabei brauchen Kinder Bewegung, um sich körperlich und psychisch gesund zu entwickeln. Auch für das Lernen ist Bewegung unabdingbar. Sport und Bewegung steigern die Gehirndurchblutung, was wichtig ist, um sich zu konzentrieren und im Unterricht aufmerksam zu sein. Außerdem steigert Bewegung die neuronale Plastizität und lässt Kinder leichter lernen.
Und auch den sozialen Aspekt sollte man nicht vernachlässigen: Genau! Aktuell fehlt uns allen das Miteinander – uns Erwachsenen und auch unseren Kindern. Sie müssen auf Spielkontakte verzichten, müssen so gut es eben geht Abstand halten. Da sind Aktionen, bei welchen die Kinder gemeinsam Sport treiben und gemeinsam Bewegungsfreude erleben, nochmal besonders wertvoll.

Wie haben Sie die Zeit nach dem ersten Lockdown erlebt: Freuten sich die Kinder auf den Schulsport?
Ich würde tatsächlich sagen, dass sich alle Kinder regelrecht nach Bewegung und Sport gesehnt haben, als die Schule wieder anfing und es noch keinen klassischen Sportunterricht geben durfte. Generell liebt der Großteil der Kinder die Sportstunden. Das Schlimmste, was im Schulalltag ausfallen kann, ist für die meisten Kinder der Sportunterricht. Denn Kinder haben gerade im Grundschulalter noch einen extrem hohen Bewegungsdrang und brauchen diese Stunden enorm. Wir sind in dieser Zeit ganz viel mit den Klassen nach draußen gegangen und haben uns auf dem Schulhof, dem Spielplatz und dem Sportplatz bewegt.
Aktuell soll auch wieder der Körperkontakt zwischen den Kindern im Sportunterricht vermieden werden. Wir machen auch hier das Beste daraus und werden kreativ. So spielen wir dann eben die Fangspiele mit Poolnudeln. Das ist auch mit Abstand machbar, man muss nur ein wenig kreativ werden. Es gibt nun auch während des Unterrichts kurze Bewegungspausen, die jeder Lehrer individuell gestaltet. Mit kleinen Bewegungsliedern oder Bewegungsspielen. Da kann uns sicherlich auch die Kitu-App der Stiftung weiterhelfen in den nächsten Monaten.

Wir haben uns sehr gefreut, dass Sie unseren Motorik-Test für Kinder trotz Corona durchgeführt haben!
Den Kindern hat es durchweg sehr viel Spaß gemacht und es ist klasse, wie der Test aufbereitet ist. Das macht es uns als Sportlehrkräften einfach, den Test durchzuführen und die Turnbeutelbande zum Leben zu erwecken! Im Vordergrund stand das gemeinsame Sporttreiben. Die Kinder haben sich alle gegenseitig unterstützt und angefeuert. Die Geschichte zur Turnbeutelbande hat den Kindern super gefallen und durch sie wurden die Kinder auch nochmal dafür sensibilisiert, dass jeder seine Stärken und seine Schwächen hat und der eine das und der andere das besser kann.
Bei den 3. und 4. Klässlern ging es zudem auch um das gegenseitige aneinander Messen und Übertrumpfen bei den einzelnen Stationen, was alle Kinder nochmal mehr angespornt hat. Es kamen durchweg alle Kinder von Klasse 1 bis Klasse 4 auf ihre Kosten und es hatten alle ihren Spaß an der gemeinsamen Bewegung. Außerdem haben sich die Kinder natürlich sehr über die Turnbeutel und die Urkunden gefreut. Und wir können nun die Daten auswerten und haben einen Überblick.

Haben Sie noch Tipps für Kollegen, die den Motorik-Test bald ausführen möchten?
Beim 6-Minuten-Lauf kann man den Kindern nach jeder Runde eine Wäscheklammer ans T-Shirt machen, einen Pappdeckel geben oder einen Strich auf Hand malen, um sich das Rundenzählen bei allen Kindern zu erleichtern. Außerdem haben wir den 20-Meter-Lauf und den 6-Minuten-Lauf im Klassenverband gemacht. Die anderen Übungen sollten aber in Kleingruppen absolviert werden, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Wir haben die Klassen immer in drei Gruppen aufgeteilt und sind dann von Station zu Station.
Was ich nur empfehlen kann: Die Geschichte rund um die Turnbeutelbande als Vorbereitung zu nutzen. Sie ist richtig klasse und inhaltlich wertvoll! Außerdem motiviert sie die Kinder. Die Auswertung der Daten nutzen wir nun für eine gezielte Förderung und um die Entwicklung der Kinder zu überprüfen. Wir wollen den Test am Ende des Schuljahres noch einmal durchführen. Mit gezielten Übungen und Spielen möchten wir unsere Kinder bis dahin in den Stärken weiter stärken und ihre Schwächen verbessern.

Fotos: Yvonne Roither/Lindauer Zeitung