Gelebte Bewegungsförderung: Wir stellen das Referenten-Team unserer Inhouse-Fortbildungen vor

Bereits über 400 pädagogische Fachkräfte wurden seit September in mehr als 40 Fortbildungen im Rahmen unserer Inhouse-Fortbildungen für Kita-Teams zur Bewegungsförderung geschult. Diese Inhouse-Fortbildungen zur Bewegungsförderung sind kostenfrei und werden durch die Kinderturnstiftung BW mit Unterstützung des Badischen Turner-Bundes und des Schwäbischen Turnerbundes im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport BW angeboten. Mehr als 30 Referenten/innen führen die Schulungen in einem Pflichtmodul und je zwei Wahlmodulen in den Kitas des Landes durch und geben ihr Wissen und zahlreiche Anregungen zur Bewegungsförderung in der Kita u.a. in Themen wie “Bewegung mit selbstgemachten Geräten”, “Spiele ohne Material”, “Kommunikation bewegt!”, “Zahlen, Buchstaben, Farben, Formen”, “Schwämme, Wäscheklammern & Co.”, “Raumwunder” und “Entspannung” praxisnah an die pädagogischen Fachkräfte vor Ort weiter.

Wir stellen einige der Referenten/innen in Kurzinterviews vor und haben sie unter anderem gefragt, warum Bewegung für sie persönlich mehr ist.

Liebe Ulrike, seit wann beschäftigst Du Dich mit Themen wie Bewegungsförderung und warum ist es Dir ein Anliegen?
Die Wichtigkeit der Bewegungsförderung ist mir erst durch meine eigenen Kinder so richtig bewusst geworden. Wir können durch gezielte Bewegungsanregungen und durch Raum für Bewegung so viel Positives für jedes einzelne Kind bewirken! Dabei geht es nicht nur um tolle Sportangebote in großen Hallen. Es ist natürlich wunderbar, wenn das möglich ist. Vorrangig muss aber mehr Bewegung im Alltag stattfinden – und auch in den Köpfen aller Verantwortlichen muss sich noch mehr bewegen. Denn Bewegung ist elementar für eine gesunde kindliche Entwicklung. Dabei kann Bewegung überall stattfinden. Mit einfachen Mitteln kann Gesundheitsförderung betrieben und den Kindern dadurch eine bessere Zukunft ermöglicht werden.

Bewegung ist Bildung – warum?
Kinder – und nicht nur sie! – lernen durch Bewegung. Bewegung bestimmt unser Leben, von der ersten Zellbewegung an. Es ist so viel leichter, effektiver und freudvoller mit allen Sinnen zu lernen. Schon im Kleinkindalter experimentieren und erforschen die Kinder mit ihren Sinnen ihre Umgebung, um Funktionen, Materialien und Handlungen zu begreifen. Wenn wir gezielt unterschiedliche Sinne anregen, nutzen wir unterschiedliche Bereiche im Gehirn. Dadurch behalten wir uns Dinge so viel leichter und nachhaltiger – und das gilt nicht nur für Kinder!

Du bist Referentin im Rahmen unserer Inhouse-Fortbildungen. Welchen Eindruck hast Du bereits erhalten? Sind die Kita-Teams nach der Fortbildung motiviert, das Erprobte umzusetzen?
Dadurch, dass die Fortbildungen direkt im Kindergarten stattfinden, können wir gezielt auf die Fragen und Bedürfnisse der Kita-Teams eingehen und auch Bewegungsanregungen für die jeweiligen Räumlichkeiten geben. Die Teams können sich mit den Wahlmodulen zwei Schwerpunkte auswählen und erfahren praxisorientiere, vielseitige Impulse und ganz viel Hintergrundwissen. Die Schulungsinhalte können jederzeit im Handbuch nachgelesen werden, das jede teilnehmende Erzieherin erhält. Fotos von der Fortbildung, das eigene Ausprobieren und Erleben von Spielen bleiben in Erinnerung und können auch im Nachhinein gut nachvollzogen werden. Es wird sehr viel Inhalt in dieser kurzen Zeit vermittelt, macht aber auf jeden Fall Lust direkt loszulegen und mit den Kindern in Bewegung zu kommen.

Warum ist Bewegung für dich persönlich mehr?
Bewegung ist Leben! Ich bin sehr gerne selbst in Bewegung und freue mich darüber, dass ich durch Bewegung auch bei anderen etwas bewegen kann. Schon Albert Einstein sagte: “Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um das Gleichgewicht zu halten, muss man in Bewegung bleiben”.

Liebe Karin, seit wann beschäftigst Du Dich mit Themen wie Bewegungsförderung und warum ist Dir das ein Anliegen?
Ich bewege Kinder im Alter von einem bis 12 Jahren schon seit fast 40 Jahren. Dabei waren es anfangs hauptsächlich Gruppen im Gerätturnen oder der rhythmischen Sportgymnastik. Später kam der Breitensport dazu und die psychomotorische Bewegungsförderung. Das Verstehen darum, warum ein Kind entsprechend reagiert oder agiert, war und ist für mich immer ein Antriebsfaktor. Der Blickwinkel wird durch das Verstehen der Beweggründe geändert und man kann ganz anders reagieren. Die Erfahrungen, die ich in all den Jahren gemacht habe, und das Wissen um das Verhalten der Kinder möchte ich daher gerne weitergeben. In diesem Zusammenhang stehen natürlich die Möglichkeiten der Förderung der exekutiven Funktionen.

„Bewegung ist Bildung“ – warum?
Seit ich vor über zehn Jahren zum ersten Mal etwas von den exekutiven Funktionen und deren Auswirkungen gehört hatte, beschäftige ich mich mit diesem interessanten und spannenden Thema. Allerdings beobachte ich schon viel länger das (Bewegungs-)Verhalten der Kinder und habe hier viel über den Zusammenhang von Bewegung und Kompetenzerwerb gelernt. Kinder, die von Anfang an an den Übungsstunden teilnahmen, hatten durchschnittlich ein größeres Bewegungsspektrum als diejenigen, die sich nicht oder erst viel später dazu entschlossen hatten. Das Ergebnis bestätigte sich auch bei motorischen Tests, die in Zusammenarbeit mit der Schule stattfanden. Außerdem konnte ich immer wieder feststellen, dass die motorisch fitteren Kinder auch bessere Ergebnisse in Mathematik oder dem Sprachverständnis aufwiesen.

Du bist Referentin im Rahmen unserer Inhouse-Fortbildungen. Welchen Eindruck hast Du bereits erhalten? Sind die Kita-Teams nach der Fortbildung motiviert, das Erprobte umzusetzen?
Meine bisherige Erfahrung war durchweg positiv. Die pädagogischen Fachkräfte haben natürlich bereits Kenntnisse darüber, dass Bewegung wichtig für die Entwicklung der Kinder ist. Die komplexen Zusammenhänge aber werden ihnen erst mit dieser Fortbildung deutlich, vor allem auch der Stellenwert der exekutiven Funktionen. Die Motivation, auch in kleineren und beengten Räumen so viel Bewegung wie möglich anzubieten, wird von den tollen Ideen der Wahlmodule und der Inhalte der BewegungsTonni noch zusätzlich gefördert.

Warum ist Bewegung für dich persönlich mehr?
Da ich selbst schon als Vorschulkind mit dem Turnen angefangen habe und für mich Sport im Allgemeinen während meiner Schulzeit und auch später die wichtigste Freizeitbeschäftigung war, weiß ich, wie wertvoll dies ist. Ich kann heute noch davon profitieren. Dabei geht es nicht nur um die körperliche Fitness. Komplexe Zusammenhänge erkennen, Lösungen oder Lösungswege finden, Strategien entwickeln, geistige Ausdauer und Selbstkontrolle sind einige der Kompetenzen, die sich nur durch eine vielfältige Bewegungserfahrung in jungen Jahren entwickeln können. Aber vor allem auch die soziale Komponente war und ist mir immer sehr wichtig.

Referentin A. Müller der Inhouse-Fortbildungen zur BewegungsförderungLieber Andreas, seit wann beschäftigst Du Dich mit Themen wie Bewegungsförderung und warum ist Dir das ein Anliegen?
Bewegungsförderung beschäftigt mich seit etwa zehn Jahren, als ich begonnen habe meine erste Leichtathletik- Gruppe zu trainieren. Seit 2017 bin ich hauptberuflich im Kindersport zu finden. Neben vielen Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, leite ich regelmäßig polysportive Sportgruppen für Kinder zwischen drei und zehn Jahren. Durch meine Ausbildung weiß ich, dass ein aktives und gesundes Leben seinen Ursprung in der Kindheit hat. Wer sich als Kind regelmäßig bewegt, tut das mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenen Alter.

„Bewegung ist Bildung“ – warum?
Durch den Sport und die Bewegung lernen die Kinder, im Team zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen und Rücksicht zu nehmen. Sie lernen aber auch Probleme selbständig zu lösen und sich schnell auf neue Situationen einzustellen. Zudem stärkt Bewegung ein gesundes Selbstvertrauen. Diese kognitiven, sozialen und psychischen Kompetenzen können nur durch eigene Erfahrungen verbessert werden und das gelingt am besten und einfachsten im Sport und Spiel.

Du bist Referent im Rahmen unserer Inhouse-Fortbildungen. Welchen Eindruck hast Du bereits erhalten? Sind die Kita-Teams nach der Fortbildung motiviert, das Erprobte umzusetzen?
Die Kita-Teams wissen, wie wichtig Bewegung und Sport sind. Die Kindergärten, die ich bereits im Rahmen der Fortbildung besucht habe, setzen schon viel um. Sei es durch regelmäßige Sportstunden und viel Bewegung im Alltag. Durch die Fortbildung haben sie neue Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten bekommen, mit denen sie die Bewegung im Kindergarten vielfältiger gestalten können. Schon in der Fortbildung gab es regen Austausch über die Umsetzung.

Warum ist Bewegung für dich persönlich mehr?
Zum einen habe ich durch den Sport sehr viele positive Erfahrungen machen dürfen. Zum anderen finde ich es als Trainer immer wieder spannend, wenn Kinder kleine Erfolgserlebnisse habe und man zusehen kann, wie sie daran wachsen.

Liebe Solveig, seit wann beschäftigst Du Dich mit Themen wie Bewegungsförderung und warum ist es Dir ein Anliegen?
Ich unterrichte seit 15 Jahren im Bereich Tanz und Sport und beschäftige mich seitdem mit diesem Thema. Der Mensch ist ein „Homo movendus“ („der Mensch, der sich bewegen muss). Durch Bewegung wird seine Funktionstüchtigkeit erhalten. Regelmäßige Bewegung wirkt sich vielseitig positiv u.a. auf die Gesundheit, das Wohlergehen und das soziale Miteinander aus. Durch das Unterrichten gebe ich vielen Kindern-Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit dies zu erleben und die persönliche Leidenschaft für die Bewegung zu finden.

„Bewegung ist Bildung“ – warum?
Ein Aspekt wie Bewegung zur Bildung beiträgt ist folgender: Wenn der Mensch etwas Neues lernt, so vernetzen sich dessen Nervenverbindungen im Gehirn neu. Genau dieser Vorgang findet auch bei dem Erlernen von Bewegungsabläufen, Spielen und Übungsformen statt. Besonders unser Stirnhirn (unser präfrontale Kortex) kann durch Bewegung trainiert werden. Menschen mit einem ausgeprägten präfrontalem Kortex können sich u.a. besser konzentrieren und Impulse unterdrücken. Diese Fertigkeiten sind nur von Vorteil auf dem Lebensweg eines Menschen.

Du bist Referentin im Rahmen unserer Inhouse-Fortbildungen. Welchen Eindruck hast Du bereits erhalten? Sind die Kita-Teams nach der Fortbildung motiviert, das Erprobte umzusetzen?
Mein Eindruck ist, dass jede Kita aus den Fortbildungen Inputs mitnimmt, die sie im Alltag umsetzten kann. Die Teilnehmer/innen waren bisher begeistert von den Impulsen und Ideen, die während der Fortbildung gegeben werden. Jede/r konnte mehrere Inhalte nennen, die er/sie umsetzen wird.

Warum ist Bewegung für dich persönlich mehr?
Bewegung macht Freude. Durch Bewegung lerne ich meinen Körper besser kennen und dessen Signale deuten. Ich bewege mich gerne in einer Gruppe, deshalb hat Bewegung für mich auch immer eine wichtige soziale Komponente. Bewegung eröffnet mir die Möglichkeit kreativ zu sein und eine besondere Art mich auszudrücken. Außerdem ist es ein Ventil, um Erlebtes zu verarbeiten.